Gemeinsame Aktionen gegen Gewalt im Südkreis

Sie wollen sensibilisieren für das Thema Gewalt gegen Frauen (von links): Regina Meyer-Kietzmann, Maria Wernemann, Susanne Langemeyer, Jutta Spiering, Katharina Nuxoll, Birgit Jäger und Margret Diekmann-Nardmann. Foto: Petra PieperSie wollen sensibilisieren für das Thema Gewalt gegen Frauen (von links): Regina Meyer-Kietzmann, Maria Wernemann, Susanne Langemeyer, Jutta Spiering, Katharina Nuxoll, Birgit Jäger und Margret Diekmann-Nardmann. Foto: Petra Pieper

Bad Rothenfelde. Darin sind sich alle einig: Das Thema Gewalt gegen Frauen muss raus aus der Tabuzone. Zwischen Wellendorf und Bad Rothenfelde haben sich die Gleichstellungsbeauftragten mit Frauen aus den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, Kindergärten, Altenheimen und Schulen zusammengeschlossen, um für das Menschenrecht auf Unversehrtheit einzutreten.

Seit 1999 gibt es den internationalen Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen“, der zurückgeht auf die Ermordung der Schwestern Mirabal, die wegen ihres politischen Widerstands in der Dominikanischen Republik am 25. November 1960 nach monatelanger Folter getötet wurden.

Gegen jede Form der Gewalt

Heute bezieht sich der Widerstand gegen Gewalt an Frauen nicht nur auf politisch Engagierte, sondern umfasst jegliche Gewalt gegen Frauen. Der Protest richtet sich gegen Genitalverstümmelung und Prostitution ebenso wie gegen körperliche und psychische Gewalt in Familien oder Heimen, sagte Margret Diekmann-Nardmann , pastorale Mitarbeiterin der katholischen Kirchengemeinde am Teutoburger Wald.

Jede vierte Frau weltweit sei derartiger Gewalt ausgesetzt, aber in der Öffentlichkeit erfahre man darüber nahezu nichts. Obwohl die Zahl der Verstöße gegen das Menschenrecht auf Unversehrtheit etwa gleich groß sei wie die Zahl der Einbrüche, werde die Öffentlichkeit in den Medien nur über Letzteres informiert, beklagte die Gleichstellungsbeauftragte aus Hilter, Regina Meyer-Kietzmann.

Kaum Anzeigen

Auch in den Gemeinden des Osnabrücker Südkreises erleiden Frauen Gewalt, werden geprügelt, vergewaltigt oder unter Druck gesetzt, sagt sie. Nur ein Bruchteil der Delikte werde zur Anzeige gebracht.

Um das Thema aus der Tabuzone ins Licht zu bringen und für das Menschenrecht auf Unversehrtheit zu werben, veranstalten die Südkreis-Frauen rund um den Gedenktag mehrere Aktionen. Sie beginnen mit einem Wortgottesdienst in der St.-Barbara-Kirche Wellendorf am 23. November um 19 Uhr. Am 24. November um 11 Uhr folgt eine Fahnenaktion vor dem Rathaus Hilter. „Dort wollen wir in Zusammenarbeit mit der Jugendpflegerin und einer Vertreterin des Familien-Servicebüros die Fahne mit dem Motto ‚frei leben – ohne Gewalt‘ hissen“, kündigte Meyer-Kietzmann an.

Zeichen setzen für Opfer

Am Freitag um 10 Uhr soll die Fahne auch vor dem Kurmittelhaus in Bad Rothenfelde aufgezogen werden. Die stellvertretende Bürgermeisterin Claudia Klotzbach, die Gleichstellungsbeauftragte Maria Wernemann und die Inklusionsbeauftragte des Kirchenkreises, Birgit Jäger, solidarisieren sich mit den Opfern von Gewalt und setzen sich für das Menschenrecht auf Unversehrtheit ein.

Höhepunkt der Aktionen wird im Rahmen des Dissener Zuckerbäckermarkts am 25. November um 18 Uhr eine gemeinsame Lesung der Beteiligten in der Mauritius-Kirche sein, wie Jutta Spiering ankündigte. Unterstützt vom Trommelensemble „fellomenal“ werden die Frauen Schlaglichter auf Gewaltsituationen werfen und mit Bildern, Texten und Liedern ihr „Nein“ zu Gewalt formulieren. Anschließend soll die Fahne aus der Kirche zum Markt getragen und dort weithin sichtbar aufgehängt werden.

Auch Vergangenheitsbewältigung

„Wir sind auf dem Weg und hoffen, dass wir stetig mehr Mitstreiter gewinnen“, unterstrich Diekmann-Nardmann. Ein erstes Umdenken hin zu mehr Öffentlichkeit kann Susanne Langemeyer vom Seniorenzentrum Dissen gerade bei älteren Frauen feststellen. Sie brächten immer öfter die Kraft auf, über Gewalterlebnisse aus Kriegszeiten zu berichten, etwa wenn sie Zeuge der Vergewaltigung der eigenen Mutter geworden seien.

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