Mode zum Mieten

Wie viele gute Ideen ist auch die der Kleiderei aus der Not heraus geboren. Oder zumindest aus dem, was für junge Frauen wie Thekla Wilkening und Pola Fendel einen Notfall darstellen kann. Es war Freitagabend, eine Party stand an und die beiden Frauen hatten „gefühlt nichts zum Anziehen“. Also ging es ab in die Hamburger City, um sich neu auszustatten. So weit, so üblich. Doch was die beiden dann machten, konnte kurze Zeit später in sämtlichen Zeitungen, Magazinen und Mode-Blogs nachgelesen werden. „Einen großen Kleiderschrank für alle“ wollten sie schaffen, nicht mehr immer neu kaufen, sondern ausleihen.

Und so gründeten sie die Kleiderei im Hamburger Stadtteil St.Pauli: ein 30-Quadratmeter großer Laden, in dem zunächst aussortierte „ehemalige Lieblingsteile“ der beiden und ihrer ebenso trendbewussten Freundinnen lagerten; in kürzester Zeit waren es dann weit über 1000 Kleidungsstücke, teils Secondhand, teils neue Jungdesigner-Mode. Das Prinzip: Für 14 Euro im Monat gibt es so etwas wie eine Mode-Flatrate, einmaliges Ausleihen kostet 5 Euro. 

Nachdem vor wenigen Monaten der zweite Laden in Berlin mit großem Getöse und Szene-DJ eröffnet worden war, gibt es nun auch einen Onlineshop, ermöglicht nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Aktion. Hier kostet das Abo 26 Euro monatlich, beinhaltet ein Paket mit vier Kleidungsstücken der Wahl oder „nach deinem Stil“ zusammengestellt von Wilkening und Fendel. Jeder Lieferung liegt der Retouren-Schein mit bei.

Es hilft, dass die beiden Gründerinnen ziemlich coole Mädels mit Stilgefühl und Sinn für Mode sind - sie selbst oder ihre ebenso szenigen Freundinnen halten als Modelle für Pressefotos oder die Artikelbilder im Onlineshop her -, dabei aber mit viel Witz und Humor auftreten. Mit pfiffigen Texten wird jedes einzelne Kleidungsstück beschrieben, hier und da auch mit einer Warnung an Fashionistas: „Nur beim Dekolleté musst du aufpassen“, steht etwa beim schwarzen Paillettenkleid. „Wir würden sagen, es passt höchstens ein B-Körbchen rein.“

Dass e vor allem S- und M-Grössen gibt, sei alles andere als Strategie, sondern liege an den Kleidungsstücken selbst - und ihren ehemaligen Besitzerinnen. Denn nach wie sind in der Kleiderei ausschließlich Teile zu haben, die geschenkt oder gespendet wurden. 

Im Sommer machten Thekla Wilkening und Pola Fendel eine Umfrage unter ihren Kundinnen. Zweidrittel hätten sich seit ihrer Anmeldung bei der Kleiderei nichts Neues zum Anziehen mehr gekauft. „Was genau die Leute jetzt mit ihrem Geld machen, wissen wir natürlich nicht“, so Fendel. Aber das Ergebnis habe sie durchaus gefreut. Ob sie nicht Angst haben, dass Sachen gar nicht zurückkommen? „Komischerweise haben uns das am Anfang ganz viele Leute gesagt, dass die Kleidung bestimmt kaputt zurückkommt oder geklaut wird. Aber wir lagen mit unserem naiven Gutmenschenglauben total richtig: In einem Jahr haben wir drei kaputte Sachen zurückbekommen.“

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